März 2022

Kirche in Perarolo di Cadore
von Thomas Gerstmeir

Eher über einen flüchtigen Seitenblick beim Vorbeifahren nahm ich vor Jahren diese Kirche wahr. Seitdem schwirrt sie mir im Kopf herum. Auf Wikipedia ist folgendes darüber zu lesen:

„Diese alte Kirche ist wirklich einzigartig und würde ohne die Fassade als eine der vielen „tabià“ (Anmerkung: Viehstallung, Scheune) erscheinen, die für das Dolomitengebiet typisch sind, sowohl wegen ihrer rustikalen Formen als auch wegen der umfangreichen Verwendung von Holz, einem Material, das die Geschichte geprägt hat und Geschichte seit Jahrhunderten Wirtschaft der lokalen Gemeinschaft. Tatsächlich war die Kirche, die um die Mitte des 15. Jahrhunderts erbaut, aber im Laufe der Zeit mehrmals umgebaut wurde, San Nicolò als Schutzpatron der Seefahrer und damit auch der Flößer gewidmet, die hier ihren Abstieg entlang des Piave nach Venedig begannen das kostbare Holz, das die Serenissima für die Fundamentpfähle und für den Bau ihrer mächtigen Flotte verwendete. Die Tätigkeit der Flößer wird bewundernswert in dem wunderschönen historischen Roman „Marco e Mattio“ von Sebastiano Vassalli beschrieben. Die Ereignisse der Kirche sind beunruhigt wie wenige andere. 1515 erbaut, 1604 erweitert und 1757 wieder aufgebaut, wurde sie 1858 endgültig zur Schaffung des Stadtplatzes abgerissen und an ihrem heutigen Standort wieder aufgebaut. Aber der Boden konnte das Gewicht der neuen Struktur nicht tragen, so dass nur 35 Jahre später das Kirchenschiff abgerissen und durch das noch sichtbare viel leichtere ersetzt werden musste. Bemerkenswert ist das künstlerische Erbe, bestehend aus wertvollen Gemälden, raffinierter sakraler Ausstattung, einem prächtigen Hochaltar und einer kostbaren venezianischen Orgel aus der Mitte des 18. Jahrhunderts. Trotz der jüngsten Konsolidierungsarbeiten ist die Mauerwerksfassade immer noch instabil und es ist leider nicht möglich, das Innere der Kirche zu betreten.“

Und genau diese faszinierend verworrene Geschichte sieht man der Kirche an. Und das macht sie mir so symphatisch.

Zum Beitrag: Mit dieser Kirche beginnen wir eine kleine Italienreise. Wir erlauben uns dabei historisch wie  geographisch völlig unwissenschaftlich mit unseren Beiträgen hin und her zu springen. Sollte jemand auch einen skurillen Beitrag aus Italien in petto haben, würden wir uns sehr freuen.