Juni 2016

 

Die Penzberger Moschee ist für mich …

…Schönheit
„Allahs Blauer Edelstein“, das war die Überschrift in der SZ für die ungewöhnliche Moschee in Penzberg. Diese Beschreibung trifft ziemlich genau die Schönheit, die Rarität dieses wunderschönen, originellen Gotteshauses, welches vom Augsburger Architekten Alen Jasarević entworfen und 2005 gebaut wurde. In einer Aussage des Propheten Muhammed heißt es „Gott ist schön und Er mag die Schönheit“. Ich bin mir sicher, dass nicht nur Gott, sondern fast alle Besucher der Moschee in Penzberg dieses Haus als schön, ruhig, inspirierend, zum Nachdenken, Beten und Meditieren einladend empfinden. Ich fühle mich reich gesegnet, in dieser Atmosphäre seit über zehn Jahren arbeiten und leben zu dürfen.

… Transparenz
Über achtzig Prozent des Gebäudes besteht aus Glas. Durch diese Offenheit und Transparenz  wird Passanten jederzeit unaufdringlich ein Einblick in das Geschehen im Haus gewährt.

… Ort der Begegnung und des Austausches/der Kommunikation
Der Haupteingang symbolisiert Buchseiten, auf welche Verse aus dem Koran geschrieben sind, in arabischer und deutscher Sprache. Die große Stahltür öffnet den Weg in das Innere der lichtdurchfluteten Räume. Der Blick des Besuchers fällt auf weitere Verse aus dem Koran: „Tretet hinein in Frieden und Sicherheit“. Über 30.000 Besucher sind durch diese Tür schon eingetreten, fast täglich kommen neue interessierte Menschen. Bei einer Tasse Tee oder Kaffee gibt es immer wieder gute Gespräche, neue Erkenntnisse und Inspirationen.

… Nachhaltigkeit/Bescheidenheit
Alle Materialien für den Bau kommen aus Deutschland. Die Photovoltaikanlage auf dem Dach der Moschee zeigt die Wichtigkeit nachhaltigen und ökologischen Bauens auch für die Muslime.
Die blaue Frontwand ist aus Recyclingglas zusammengesetzt. Viele blaue und einige rote Glasscherben tragen bei Lichteinfall dazu bei, mich Gott sofort näher zu fühlen. Die halbrunde Gebetsnische, ein weiteres Kunstwerk, steht zentral und aufrichtig in der Mitte der Vorderwand und zeigt den Gläubigen die Richtung im Gebet, erinnert mich aber auch an die Wichtigkeit des aufrechten Ganges durchs Leben. Ich fühle mich geborgen und wohl in diesem Gotteshaus, es ist lebendig, besonders im Fastenmonat Ramadan, an den Freitagen und den Feiertagen, ich erlebe es aber auch mal ruhig während des Morgengebets und nachts. Viele erfreuen sich an „Allahs blauem Edelstein“, für mich strahlt er die Bescheidenheit und Einfachheit aus, welche ich als Muslima anstrebe.

… vor allem aber auch mein Zuhause

Nermina Idriz, 25. Mai 2016

zur Person:
„Grüß Gott, Frau Imam!“
Frau Idriz, Ehefrau des Penzberger Imams, wohnt in der oben beschriebenen Moschee. Der Titel „mein Zuhause“ ist also im wahrsten Sinne des Wortes so gemeint. Dass Frau Idriz sich auch auf weiteren Ebenen, und natürlich vor allem auf der religiösen, mit dem Gotteshaus bis in die letzte Faser verbunden fühlt, spürt man im persönlichen Gespräch mit ihr. Es geht ihr nicht im geringsten um Statussymbole – und selbst die religiösen Symbole sind ganz selbstverständlich der Situation in Penzberg angepasst: „Es soll ein Haus sein, das sich in Penzberg einfügt.“ Einen Muezzin hat die Gemeinde aus Rücksicht auf die ansässigen Anwohner nicht. „Es hat ja jeder eine Uhr von uns … “ stellt Muaz Dugonjić, ein festes Gemeindemitglied, schmunzelnd fest. Er hat mit seiner kleinen Baufirma die Moschee gebaut.

Wir schätzen Muaz als Mensch und Baumeister. Er ist ein Handwerker, der das Wort „VOB“ nur vom Hören-Sagen kennt. Für seine Bauten, die durchaus auch mal ein bosnisches „al dente“ mit sich bringen, braucht er keine DIN-Normen oder Richtlinien. Sein gesunder Menschenverstand und sein Wissen, das er sich als Meisterschüler in der Berufsschule in der Luisenstraße angeeignet hat, reicht aus. Dies hat er klar bei unserem grünen Haus bewiesen.

Die muslimische Gemeinde Penzberg beweist vor allem Gottvertrauen. Eine Grundeinstellung, welche unserer Gesellschaft in weiten Zügen verloren gegangen zu sein scheint. Die europäische Aufgabe der Integration Hilfesuchender braucht jedoch vor allem dieses Lebensgefühl …. und den Glauben an eine bessere Welt.

Thomas Gerstmeir, 26. Mai 2016

Das nächste Haus wird vorgestellt von:
Julian Schmidt-Eichberg



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