Januar 2020
Dieses Mal: Oliver Schaeffer

Fondation Vasarely (Aix-en-Provence)

Wie eine Raumstation schwebt die Fondation Vasarely im Orbit zweier Autobahnen im Südwesten von Aix-en-Provence. Während das Objekt von Außen eher unnahbar daher kommt, entfaltet sich in seinem Inneren ein schillerndes Kaleidoskop aus Farbe und Form. Man spürt an jeder Ecke den zukunftsgewandten Optimismus dieser Zeit und fühlt sich sofort inspiriert von einem derart umfassenden, positiven und freien Blick auf die Welt.

Victor Vasarely hat das Museum als utopische, hexagonale Struktur zur Präsentation seiner Kunst konzipiert und 1973 – 1976 zusammen mit den Architekten John Sonnier und Dominique Ronsseray gebaut. Sieben sechseckige Raumzellen mit einem Durchmesser von 14 m und einer Höhe von 11 m bilden einen zusammen hängenden Ausstellungsbereich. Die Raumzellen sind über Eck offen verbunden, Tageslicht fällt von oben durch eine ebenfalls hexagonal unterteilte Glasdecke. Jede Zelle hat sechs Wände, für die Vasarely insgessamt 46 großformatige Wandbilder (12m x 10m) eigens entworfen und angefertigt hat. 
In der Überlagerung von räumlich suggestiver Grafik einerseits und einer aus der Grafik entwickelten Raumstruktur andererseits liegt der starke Reiz des Museums. Ausstellungsräume und Ausstellungsstücke folgen den gleichen Regeln, stammen aus der gleichen Feder. Vielleicht erreicht die Architektur im Detail nicht die konstruierte Präzision und die konzeptionelle Tiefe der ausgestellten Grafik. Doch im Zusammenspiel von Raum und Grafik entsteht ein Gesamtkunstwerk von außergewöhnlicher Ausstrahlung: Ein Haus aus der Zukunft.

zur Person:
Chapeau! Das neue Jahrzehnt fängt mit einem Feuerwerk an. Ein Haus wie ein Bilderbuch.
Herzlichen Dank für den Beitrag.
Über die Arbeit von Oliver kann man sich hier informieren:
https://www.oliverschaeffer.com
Wir kennen Oliver bereits aus dem 1. Semester, in dem er damals als Kommilitone schon eine „Instanz“ für Architektur war – wie man das halt im 1. Semester sein kann. Seine Auswahl für das Haus des Monats ist besonders: Gilt es ja fast als „verboten“, Themen anderer Disziplinen direkt in der Architektur umzusetzen. Vasarely hat dabei freilich den Vorteil des Laientums, so nach dem Motto: „Der wußte es ja nicht besser“. Aber auch das gibt mir zu denken. Dieser Versuch war es auf jeden Fall wert und zeigt, dass die vielen „ungeschriebenen Gesetze der Architekten“ eher hemmen als produktiv sind. Das ist aber nur meine bescheidene Meinung und kein uraltes Koboldsgesetz.
Foto oben: Ursula Mühle 2017
Foto unten: FORTEPAN / Ormos Imre Alapítvány 1977


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