Februar 2020

Diesesmal: Frank Sauer
IHK für München Oberbayern von Gabriel von Seidl und Friedrich von Thiersch am Maximiliansplatz, München

Wer hätte das gedacht?

Ob sich Gabriel von Seidl und Friedrich von Thiersch im Grabe umdrehen würden, wenn sie mitbekämen, dass sich ihr Häuserensemble in der Max-Josef-Str. 2 im jetzigen Sommer mit junger zeitgenössischer Kunst füllen wird, wissen wir nicht. Was wir aber wissen und wieder bestaunen können, sind die über sieben Jahre generalsanierten Fassaden dieser einzigartigen Münchner Prunkbauten aus der Jahrhundertwende in der Stadtmitte. Das gibt es wirklich nur einmal. Thierschs Neobarrock und Jungendstil küssen Seidls Neorenaissance und stehen Wange an Wange da. Die beiden grossen Münchner Architekten des Historismus in inniger Umarmung vereint. Die IHK, Industrie und Handelskammer für München und Oberbayern hat ihre Stammhäuser wieder, und Ende 2018 kehrten ca. 300 Mitarbeiter zurück. 

Noch sind die Wände und Bodenflächen der repräsentativen Räume in den Häusern ohne Schmuck. Aber anstatt „Röhrende Hirsche“ aus dem alten Bilderbestand zu hängen, begibt sie diese eher konservative Institution auf eine abenteuerliche Reise. Junge Kunst aus dem Umfeld der Münchner Akademie der Bildenden Kunst soll Einzug halten. Genreübergreifend (Bilder, Kunstvideos, Rauminstallationen, Skulpturen) werden Werke entstehen, die sich mit einem Themenkatalog aus der Peripherie der Geschichte der Häuser und den Claims der IHK auseinandersetzen. Höchstmögliche künstlerische Freiheit soll dabei gewährleistet werden.

Hut ab, für dieses  lobenswerte und mutige Projekt, liebe IHK. Und ich habe die Ehre das Ganze künstlerisch zu kuratieren und zu leiten. Mit einer tollen Beraterin an meiner Seite, Frau Dr. Serafine Lindemann, die den hohen Herren nicht ganz unbekannt ist. Schnittmengen/Cut Volumes wird diese Permanentausstellung heissen. Die zeitgenössichen Kunstwerke sind für die „Ewigkeit“ gedacht, d.h. sie werden dann zum festen Inventar des Häuserblocks gehören. Das ist natürlich „Mein Haus des Monats“, und wer hätte das gedacht?

Frank Sauer

zur Person:
So ein Prunkstück an Architektur gibts wohl nur selten. Und ich muss gestehen: ich habs nicht mal gekannt. Liegt wohl an dem durchpferchten Städtebau der Umgebung, die man eigentlich nur vom Vorbeifahren und Durchrauschen kennt. Es gibt halt immer wieder was zu entdecken.
Frank, Film- und Liedermacher, ist mir vom Festival in Jesenik bekannt und immer gut für eine ordentliche Sause.
Danke, Frank, für dieses Lehrstück über eine – für mich – neue, echt münchnerische Prunkstelle.
siehe auch: www.jedewocheeingedicht.de

Thomas Gerstmeir.

Foto: Frank Sauer


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