April 2019
 
Dieses Mal: Prof. Jože Šlavina
Wohnhochhaus im Hasenbergl, München
 
Im architekturevolutionären Sinne wäre dieses Wohnhochhaus aus den 1950er Jahren ein typologischer Sonderling, der sich architektonisch nicht durchsetzen kann. Zu hoch, zu schlank, zu ineffizient. Wer weiss, in Zeiten rasant steigender Bodenpreise hat dieser Typus vielleicht doch eine grössere Chance, als ihm bis dato attestiert wurde. 
Mir geht es bei meinem „Haus des Monats“ nicht um die architektonischen Qualitäten des Hauses – diese sind offensichtlich. Nicht offensichtlich ist jedoch, wie das Haus „belebt“ wird. Sein Äusseres lässt in den oberen Etagen zunächst eine monofunktionale Nutzung in kleinen Einheiten vermuten, das täuscht aber. Zum Teil gibt es die ursprünglichen kleinen Apartements noch, in den letzten Jahrzehnten hat sich das Innenleben des Hauses jedoch einem sich ändernden Bedarf angepasst – einzelne, kleinere Wohnungen wurden zu grösseren Einheiten zusammengelegt. Momentan befinden sich in diesem Haus Seniorenwohngemeinschaften, Wohngemeinschaften mit jungen Menschen, Familienwohnungen, eine Anwaltskanzlei und eine Physiotherapiepraxis in der 1. Etage und ein Obst- und Gemüseladen und ein Hort im Parterre. Es ist viel los in diesem Haus, mit allen Vor- und Nachteilen, die sich aus diesem Miteinander ergeben.
Die Interviews mit den Bewohnern haben gezeigt, dass sich interessante, soziale Interaktionen entwickelt haben und das ohne eine übergeordnete und steuernde Instanz:
die Senioren kochen und essen jeden Freitag gemeinsam mit den Hortkindern, der Anwalt hilft seinen Nachbarn bei rechtlichen Angelegenheiten, die WG-Bewohner übernehmen Babysitteraufgaben, die Physiotherapeuten bauen im Hof mit den Kindern neue Parcours auf, die am Wochenende gerne auch von den anderen Bewohnern benutzt werden…
Was hat das aber jetzt alles mit dem Haus zu tun? 
Oder andersherum gefragt, gibt es bestimmte Architekturen, welche die Form des geschilderten Zusammenlebens begünstigen?
Die Studentin, die in ihrer Seminararbeit, die Architekturanalyse zu diesem Haus erstellt hat, hat zum Punkt „Wände / Konstruktion“ geschrieben: 
„Weniger starr als die Wände in unseren Köpfen“.
 
Prof. Jože Šlavina, Ljubljana
 
 
Über die Person:
Unsere Wege kreuzten sich zufällig im Urlaub, auf unser beider Flucht vor der Stadt.
Jože hat sich beruflich der stadtsoziologischen Forschung verschrieben.
Gemeinsam mit seinen Studenten beleuchtet er dabei auch den kleinsten Baustein der Stadt, das Haus. In den letzten Jahren hat er hierdurch ein Sammelsurium an interessanten Häusern, quer über Europa verteilt, entdeckt und erfasst – eine wahre Schatzkiste!
 
Jože, danke für Deinen Beitrag!
Foto: Marta Orah


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