September 2015

„The Pineapple“
Airth, Schottland
Architekt unbekannt (evtl. William Chambers)
1761 / 71 für Sir John Murray

Ein Folly, manieriert, scheinbar nutzlos, vollkommen überzogen in Proportion und Behauptung der Gestalt und doch wunderschön, von handwerklich bestechender Qualität und architektonischer Brillanz. Eine venturische Ente in Reinform.
Die Pineapple entstand lange vor dem später unweit entstandenen Herrenhaus.
1761 gebaut als Solitär, ein schlichtes Garten- und Gewächshaus.
Zwei einfache, Cottage-artige Häuschen ergänzen als Seitenflügel einen zentralen Pavillon. Darunter eine Treppe zwischen den beiden Gartenniveaus vermittelnd, mit klassizistischem Portikus zum tiefer gelegenem Park hin, zunächst noch ohne die fruktotische Kuppel errichtet. Seitlich des Portikus, zum Park hin waren der langgestreckten Wand flache Glashäuser vorgelagert.
Nach seiner Rückkehr aus New York, wo Lord Dunmore Gouverneur war, wurde 1771 die Kuppel ergänzt. Eine Frucht aus Sandstein.
Wie bei den Seeleuten dieser Zeit üblich, zeigte man seine Rückkehr durch eine aufgespießte Ananas auf einem Zaunpfosten an. Die Frucht als Zeichen eines offenen Hauses und als Hinweis auf viele exotische Geschichten.
Im Herbst seines Lebens, als er auch seinen Posten als Gouverneur der Bahamas aufgegeben hatte, züchtete Lord Dunmore schließlich Ananas.
In Schottland.
Peter Scheller, München 29.7.2015

Zur Person:
Für mich als klanglich geprägten Niederbayer ist das unverdorbene Oberbairisch vom „Schoin Beda“, wie er von uns liebevoll genannt wird, eine Wohltat. Als „g´standenes Mannsbild“ darf er nicht nur beim BDA sein moderatorisches Können unter Beweis stellen, sondern mittlerweile auch in vielen Jurys und Gastkritiken. Ein Auftritt von ihm ist immer ein „Schmankerl“.
Sein Beitrag zum Haus des Monats gehört ebenfalls zu den Momenten, die es schaffen den Alltag zu versüßen. Und dies nicht nur aufgrund der erfrischenden Assoziation an eine Südfrucht. Ich verstehe sein begeistertes Bekenntnis zur „Venturi-Ente“ als Aufforderung, so manch angelerntes „No-Go“ über Bord zu werfen. Das macht nicht nur das Architektenleben reicher. Ahoi!
Thomas Gerstmeir, München, 26.08.2015

Das Haus des Monats Oktober wird vorgestellt vom:
Prinzregent von Bayern